Die Gruppe, die sich Mitte März zum ersten Mal zusammenfand, war bunt gemischt. Einige wollen als Instruktorinnen und Instruktoren des SMSV Erste-Hilfe-Kurse geben. Andere bereiten sich auf ihre Rolle als Gruppenleiterinnen und Gruppenleiter im AULA-Ausbildungslager 2026 vor. Zwei unterschiedliche Wege, aber ein gemeinsamer Ausgangspunkt, und genau diese Mischung gab dem Lehrgang von Beginn an eine besondere Dynamik.
Rein ins kalte Wasser
Das erste Wochenende startete ohne Schonzeit. Bevor überhaupt jemand gross vorgestellt wurde, hiess es: Kursraum einrichten. Material fassen, organisieren, loslegen, mit bewusst wenig Vorgabe. Wer meinte, es würde sanft beginnen, wurde schnell eines Besseren belehrt. Doch genau das war der Punkt: Stress ist kein Ausnahmefall, sondern Alltag. Und wer lernen will, damit umzugehen, muss ihn zuerst kennenlernen.
Danach folgten Inhalte, die sich wie ein roter Faden durch den gesamten Lehrgang ziehen sollten: Wie kommuniziere ich klar und wirkungsvoll? Wie erkenne ich einen Konflikt, bevor er eskaliert? Wie präsentiere ich so, dass etwas hängen bleibt? Die Teilnehmenden erarbeiteten diese Themen nicht im Frontalunterricht, sondern in Gruppen und präsentierten ihre Resultate anschliessend selbst. Lernen durch Tun, von Anfang an.
Der Sonntag brachte den Blick nach innen. Mit dem DISG-Modell reflektierten die Teilnehmenden, wie sie sich selbst wahrnehmen und wie andere sie wahrnehmen, nicht immer deckungsgleich. Zum Abschluss des ersten Wochenendes erhielten sie ihren Hausauftrag: die Übung CONSOCIATIO, die sie bis zum zweiten Wochenende in eigenverantwortlichen Teamsitzungen selbst planen sollten.
Wenn der Plan plötzlich keiner mehr ist
Mitte April trafen sich alle wieder, mit ausgearbeiteten Konzepten, klaren Rollen und dem Gefühl, gut vorbereitet zu sein. Dann griff die Kursleitung ein. Die Übungsbestimmungen für CONSOCIATIO wurden kurzfristig angepasst. Was genau das bedeutete? Die sorgfältig erarbeiteten Pläne mussten unter Zeitdruck und gesteigerter Komplexität umgeschrieben werden.
Konfliktmanagement war in diesem Moment kein Thema aus dem Lehrbuch mehr. Es war die aktuelle Situation. Die Gruppe musste sich neu finden, neu einigen, neu führen. Und sie tat es. Am Ende lösten die Teilnehmenden die Übung souverän und nahmen aus der gemeinsamen Nachbesprechung mehr mit, als jede ruhige Stunde im Kursraum vermittelt hätte.
Der letzte Tag
Der Sonntagmorgen begann mit einem Thema, das beide Zielgruppen gleichermassen betrifft: Wie entstehen Gruppen? Welche Rollen bilden sich, manchmal ohne dass es jemand bewusst steuert? Und was passiert, wenn Konflikte aufkommen? Für die künftigen Gruppenleiterinnen und Gruppenleiter ist das unmittelbar praxisrelevant. Aber auch wer Erste-Hilfe-Kurse leitet, weiss: Jede Gruppe entwickelt ihre eigene Dynamik. Die Teilnehmenden analysierten anhand des Forming-Storming-Norming-Performing-Modells nicht ein fiktives Beispiel, sondern ihre eigene Klasse. Das braucht Mut und es funktionierte.
Danach stand Selbstmanagement auf dem Programm, mit der ehrlichen Frage: Wie viel Zeit habe ich eigentlich und nutze ich sie so, wie ich es will? Zehn kompakte Themen, von Stressbewältigung über Lerntechniken bis hin zu Entscheidungsmethoden, gaben Impulse, die sich jede und jeder auf seine eigene Weise mitnehmen konnte.
Gegen Schluss richtete Jack Bähler, Chef Technik und Chef AULA, einige persönliche Worte an die Gruppe. Er erklärte, was den SMSV und das AULA letztlich ausmacht: Menschen, die sich freiwillig engagieren, Verantwortung übernehmen, ihr Wissen weitergeben und dabei die Teilnehmenden, ob im Ausbildungslager oder an den Erste-Hilfe-Kursen, konsequent ins Zentrum stellen.
Den Abschluss bildete eine offene Runde. Was hat gut funktioniert? Was würde man beim nächsten Mal anders machen?
Dreizehn Personen reisten an zwei Wochenenden an und fuhren mit mehr nach Hause, als sie mitgebracht hatten. Das ist wohl das Ziel jedes Lehrgangs.